Bolivien ist ein Lan der Kontraste. Gelegen im Herzen Südamerikas ist es reich an Bodenschätzen, an kultureller Vielfalt und natürlichen Ressourcen. Und doch lebt ein Drittel der Bevölkerung in bitterer Armut und hat weniger als zwei Dollar täglich zur Verfügung. Im lateinamerikanischen Vergleich gehört es zu den ärmsten Ländern.

Die Ursachen für die Missstände in Bolivien sind vielschichtig und lassen sich auf die Geschichte des Landes, seine geographische Lage und seine geopolitischen Situation zurückführen. Als ehemaliges Kolonialland Spaniens begann die Ausbeutung der bolivianischen Bodenschätze schon vor 500 Jahren. Im Jahre 1825 befreite Simon Bolivar das Land aus der Schreckensherrschaft der Kolonialherren. In den folgenden 100 Jahren versuchte sich der junge Nationalstaat in mehreren Kriegen gegen seine Nachbarn Chile, Paraguay und Brasilien zu behaupten. Jeder dieser Kriege wurde verloren und war mit Gebietsverlusten und dem besonders schmerzlichen Verlust des Meerzuganges verbunden.

Im zwanzigsten Jahrhundert versuchte die USA ihren Einfluss in der Region zu erhöhen. Dazu unterminierte sie die Revolutionsbemühungen von Che Guevara und unterstützte Bolivien beim Kampf gegen den Drogenanbau. Gleichzeitig versuchten ausländische Unternehmen die Bodenschätze auszubeuten ohne das Volk an den Gewinnen teilhaben zu lassen. Diese Zustände wurden erst durch jahrzehntelange innenpolitische Instabilität, Korruption und Vetternwirtschaft möglich.

In den letzten Jahren versucht der Präsident Evo Morales mit seiner Partei Bewegung zum Sozialismus die Ressourcen des Landes wieder gerechter zu verteilen. Dazu wurde die staatliche Kontrolle über den Rohstoffabbau ausgebaut, die Exportsteuern auf Rohstoffe erhöht und Unternehmen teilweise sogar komplett verstaatlicht. Die für den Export wichtigsten Rohstoffe Boliviens sind Erdgas, Zinn und Zink. Unter dem Salzsee Salar de Uyuni werden allerdings riesige Mengen Lithium vermutet. Diesem Metall könnte bei der Entwicklung der Elektroautos eine besondere Rolle zukommen. Diesen Vorteil möchte sich Bolivien nicht nehmen lassen und versucht das Metall in Eigenregie abzubauen.

Da es bei einer gerechteren Verteilung der Ressourcen nicht nur Gewinner gab, versuchen die reicheren Landesteile sich von den ärmeren abzuspalten. Diese Autonomiebestrebung ist eine weitere Herausforderung der derzeitigen Regierung und zeigt, dass Bolivien noch nicht am Ende seiner bewegten Geschichte ist.