Liebe Freundinnen und Freunde von Tiquipaya Wasi, liebe Förderer,

gleich zu Beginn die gute Nachricht: Tiquipaya Wasi lebt und gedeiht! Wie schon in den letzten 27 Jahren wird weiterhin etlichen Jugendlichen, die vom Leben auf der Straße bedroht sind, geholfen. Das Team um María Luz, die seit Anfang 2016 die neue geschäftsführende Direktorin des Projektes ist, leistet gute Arbeit!

Ein arbeitsreiches und sorgenvolles Jahr liegt hinter uns. Im letzten Jahr mussten wir Ihnen in unserem Fördererbrief mitteilen, dass es in der Organisation des Hauses Probleme gibt. Mehrfach hatte im Laufe der letzten fünf Jahre die Leitung gewechselt. Das bedeutete, dass immer wieder Arbeit von Neuem begonnen werden musste. Bewährte Vorgehensweisen und Arbeitsmethoden gerieten in Vergessenheit, im Team der Erzieher gab es permanent Wechsel, die Unzufriedenheit der Mitarbeitenden war groß. Obwohl die Fürsorge für die Kinder und Jugendlichen im Haus weiterhin immer an oberster Stelle stand, herrschte bei uns doch Unsicherheit. Deshalb entschlossen wir uns, die finanzielle Unterstützung des Projektes für 2016 zu unterbrechen und in intensivem Austausch mit den Verantwortlichen vor Ort zu klären, was nötig ist, damit das Ziel von Tiquipaya Wasi wirklich gut erreicht werden kann.

Das neue Team und die neue Leitung im Haus haben nun intensiv gearbeitet und ein neues pädagogisches Konzept auf die Beine gestellt. Die langjährige Erfahrung von Tiquipaya Wasi hat gezeigt, dass Jugendlichen geholfen werden sollte, bevor sie vollkommen auf der Straße leben. Dafür muss näher an den Ursachen für ein Leben auf der Straße angesetzt werden. Armut, Unterernährung, Arbeitslosigkeit, Alkoholismus, Ablehnung und häusliche Gewalt vertreiben Kinder und Jugendliche von zuhause. Deshalb arbeitet Tiquipaya Wasi in Zukunft mit Kindern und Jugendlichen, die häusliche Gewalt erfahren und somit gefährdet sind, auf der Straße zu landen oder bereits kurze Zeit dort leben. Ziel ist es, diese Jugendlichen für etwa ein Jahr aufzunehmen und anschließend zurück in die Familie zu bringen.

Dieser Prozess läuft zweigleisig ab. Zum einen leben die Jungs in Tiquipaya Wasi in einer Gemeinschaft, in der sie wieder Halt finden und pädagogische Betreuung erfahren. Sie erhalten eine gesunde Ernährung, medizinische Betreuung, besuchen die Schule und bekommen sogar religiöse Orientierung durch die Kirchengemeinde. Viele freiwillige bolivianische Helferinnen und Helfer, Studierende der Uni, Christen aus der Kirchengemeinde, kommen regelmäßig ins Haus und unterstützen die Arbeit. Parallel dazu erhalten die Eltern eine therapeutische Betreuung, damit sie sich wieder verantwortungsvoll um ihre Kinder kümmern können. Hierbei versorgt Tiquipaya Wasi jeden Jugendlichen individuell: Einige gehen wieder zurück zu ihren Eltern, andere werden zu ihrer Tante und ihrem Onkel oder zu ihren Großeltern gebracht – je nachdem, wo sie am besten ohne Gewalt aufwachsen können.

Auf der Basis des neuen Konzeptes haben Maria und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nun im Laufe des Jahres einen Neustart geschafft. Zurzeit leben 14 Jugendliche im Haus, die Kapazität reicht unverändert für 30. Maria als Leiterin des Hauses arbeitet seit fast einem Jahr ehrenamtlich dort. Ein Gehalt bekommen im Moment nur die Erzieher und die Psychologin.

Neben der Neuausrichtung der pädagogischen Arbeit wurden wichtige Veränderungen in der Organisationsstruktur vorgenommen. Aufgrund der guten Arbeit und einer intensiven Kommunikation per E-Mail und Videokonferenz wurde Vertrauen auf beiden Seiten wiederhergestellt. Deshalb konnten wir guten Gewissens entscheiden, die finanzielle Förderung 2017 wiederaufzunehmen. Im kommenden Jahr wollen wir die Zusammenarbeit durch einen Besuch noch verstärken. Der persönliche Kontakt ist einfach der beste.

Durch die fehlende finanzielle Unterstützung in diesem Jahr ist manche notwendige Renovierung unerledigt geblieben. Johannes Röschner, der als Freiwilliger des Bistums Mainz bis August im Projekt gearbeitet hat, hat uns gerade aktuelle Fotos gezeigt. Von seiner täglichen Arbeit schreibt Johannes:

„Wir werden jetzt bald anfangen, die Gärten darauf vorzubereiten, Kartoffeln und Gemüse anzubauen, was hoffentlich gutgeht. Der Boden bietet an vielen Stellen nicht die idealen Voraussetzungen. Aber ich bin sicher, dass wir mit einer angemessenen Pflege zumindest etwas erreichen können.“

„Im Projekt gab es dank einer Spende aus meiner Heimatpfarrei an Weihnachten auch Bescherung, meine Chefin und ich konnten für die Jungs T-Shirts, Socken, Unterhosen und für alle zusammen einen neuen Fußball kaufen.“

„Zu Jahresbeginn mussten die Jungs selbst kochen, und auch wenn mittlerweile die Schwester von Franz (dem Vorstandsvorsitzenden von Tiquipaya Wasi) kocht und die Jungs weiterhin mithelfen, fehlt häufiger noch eine helfende Hand. […] Des Weiteren gibt es, seit die neuen Betreuer da sind, wieder so etwas wie Nachhilfe.“

Sie sehen, die ehemaligen Straßenkinder in Cochabamba brauchen weiterhin viel Hilfe und Unterstützung. Bleiben Sie uns und den Kindern und Jugendlichen in Tiquipaya Wasi verbunden!

Noch ein kurzer Hinweis: Die Daten unseres Vereinskontos bei der Raiffeisen-Volksbank Miltenberg haben sich aufgrund von Umstellungen der Bank verändert. Wir bitten Sie ggf. Ihren Dauerauftrag zu ändern (siehe Mithelfen und Spenden für aktuelle Kontodaten).

Herzliche Grüße!

Wolfgang Buchmeier
1. Vorsitzender