Liebe Spenderinnen und Spender, liebe Freundinnen und Freunde unseres Vereins,
nach über 36 Jahren gemeinsamen Engagements für die Straßenkinder in Bolivien möchten wir euch eine wichtige Entscheidung mitteilen: Auf unserer Jahreshauptversammlung am 23. November 2025 haben wir beschlossen, den Verein „Hilfe für verlassene Kinder e.V.“ aufzulösen.
Diese Entscheidung ist uns nicht leichtgefallen. Seit der Gründung 1989 haben wir gemeinsam mit euch das Projekt Tiquipaya Wasi in Cochabamba unterstützt und vielen jungen Menschen eine Perspektive gegeben. Euer Vertrauen, eure Treue und euer Engagement haben dieses Werk über all die Jahre getragen.
Was bedeutet dies konkret?
- Tiquipaya Wasi geht weiter: Unser Partnerverein CETWA in Bolivien bleibt bestehen und wird das Projekt Tiquipaya Wasi unter einem neuen Konzept weiterführen.
- Keine neuen Spenden: Ab dem 23. November 2025 können wir keine Spenden mehr annehmen.
- Verwendung der Vereinsmittel: Wir werden eine abschließende Zahlung an CETWA leisten. Das danach verbleibende Vereinsvermögen wird entsprechend unserer Satzung an Misereor übergeben.
- Spendenbescheinigungen: Deine Spendenbescheinigung für das Jahr 2025 erhältst du wie gewohnt Anfang Januar.
Mehr als drei Jahrzehnte gemeinsames Wirken liegen hinter uns. Ohne eure großzügige Unterstützung, euer Vertrauen und eure Verbundenheit wäre diese Arbeit nicht möglich gewesen. Ihr habt dazu beigetragen, dass viele Kinder und Jugendliche in Bolivien ein Zuhause, Bildung und eine Zukunftsperspektive erhalten haben. Dafür danken wir euch von Herzen!
Warum kommt die Partnerschaft zu einem Ende?
Diese Entscheidung ist in einem langen gemeinsamen Prozess mit unseren bolivianischen Partnern gereift. Mehrere Entwicklungen haben letztlich dazu geführt, dass wir das Projekt nicht wie bisher weiterführen konnten.
Die Folgen der Pandemie waren auf beiden Seiten deutlich spürbar. Unsere finanziellen Möglichkeiten reichten nicht mehr aus, um den Betrieb des Heims dauerhaft zu sichern. Zusätzlich stellte das Bistum Mainz – für uns überraschend und nur schwer nachvollziehbar – seine Tätigkeit als Entsendeorganisation für Freiwillige ein. Damit entfiel für unseren Verein ein wichtiger Zufluss an engagierten Mitgliedern und Multiplikator:innen.
Auch in Bolivien kam es pandemiebedingt zu internen Schwierigkeiten innerhalb des Partnervereins, die nicht vollständig gelöst werden konnten. Hinzu kamen immer größer werdende Herausforderungen bei der staatlichen Anerkennung als privates Kinderheim sowie Konflikte rund um die Grundstücksregistrierung, die durch die Digitalisierung staatlicher Liegenschaftsdokumente ausgelöst wurden.
Vor diesem Hintergrund entschieden sowohl CETWA als auch wir, das Kinderheimprojekt sowie unseren Verein geordnet auslaufen zu lassen. Wir sind dankbar, dass die Partnerschaft selbst in dieser schwierigen Phase stabil geblieben ist und wir dem gemeinsamen Projekt einen Abschluss ermöglichen konnten, der der geleisteten Arbeit gerecht wird.
Die Kinder und Jugendlichen, die im Heim lebten, konnten in andere Einrichtungen, zu Familienangehörigen oder in die Selbstständigkeit wechseln. CETWA wird sich nun innerhalb der bolivianischen Gesellschaft neu aufstellen.
Ein wichtiger gemeinsamer Weg
Was nach 36 Jahren „Hilfe für verlassene Kinder“ bleibt, ist leider die Tatsache, dass weiterhin viele Kinder und Jugendliche ohne Familie und mit Gewalterfahrungen aufwachsen – nicht nur in Bolivien, sondern auch hier in Deutschland und weltweit. Weiterhin sind Kinder eine Minderheit ohne ausreichenden Schutz und meist auch ohne Stimme.
Die Arbeit unserer bolivianischen Freundinnen und Freunde hat jedoch eines eindrucksvoll gezeigt: Selbst die am stärksten Ausgegrenzten haben Fähigkeiten, Perspektiven, Meinungen und eine Zukunft, wenn man ihnen mit Liebe begegnet und ihnen Verantwortung zutraut. Wenn man ihnen zuhört – so wie es die Theatergruppe Teatro Strappato in ihrem Stück Betún getan hat. Wenn man sie anpacken lässt – wie bei den 72h-Aktionen oder als Notfallhelfer während der schweren Überschwemmungen. Wenn man ihnen Raum für Kreativität gibt – wie in den Film- und Kunstprojekten von Performing Life. Und wenn man anerkennt, was es bedeutet, dass sie Jahre nach ihrer Zeit im Heim wieder anklopfen und fragen, wie sie selbst helfen können.
Für all das braucht es Strukturen und finanzielle Mittel – und die Bereitschaft, sich auch politisch für die Rechte und Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen einzusetzen. Das haben wir gemeinsam über viele Jahre hinweg getan. Und wir glauben fest daran, dass die Botschaft des Brückenbauens, der Solidarität, der Partnerschaft und der Kinderrechte weit über das Bestehen des Vereins hinaus weiterwirken wird.
Wir wünschen euch alles Gute und hoffen, dass die Erinnerung an unsere gemeinsame Zeit euch ebenso bereichert, wie sie uns erfüllt hat.
