Der Monat April war für mich ein ziemlich ereignisreicher Monat. Ein Grund hierfür war mein 19. Geburtstag. Das erste Mal in meinem Leben verbrachte ich einen Geburtstag in einem anderen Land ohne Familie. Was mich an besagtem Tag aber gar nicht so störte. Ich telefonierte mit meiner Familie und meinen engen Freunden in Deutschland, aß eine Torte im Projekt und ging mit meinen Mitfreiwilligen abends einen trinken. Ein wenig vermisste ich schon die Feier in der Heimat, aber ich hatte unterm Strich doch einensehr schönen Start ins zwanzigste Lebensjahr. Des Weiteren musste ich mich für den TOEFL-Test, ein relativ komplexer englisch Test, vorbereiten, vorbereiten damit ich die Zulassung für die Universität in Utrecht bekommen kann. Nach langer und intensiver Vorbereitung war ich dann ziemlich froh als ich auf „Absenden der Testergebnisse“ klicken und das Lernen hinter mir lassen konnte. Ziemlich zufrieden erhielt ich die Testergebnisse zwei Wochen später (20 punkte mehr als benötigt) und konnte mich jetzt mit freiem Kopf auf die restliche Zeit in Bolivien konzentrieren. Im Projekt erhielten wir diesen Monat einen Neuzugang auf vier Beinen: den Schäferhundswelpen Max, den die Jungs ganz begeistert in Empfang nahmen. Aus diesem Grund schlief ich die erste Woche im Projekt um Max einen guten Start zu ermöglichen. Anfangs weinte er viel und aß auch nur bedingt, weshalb ich mir ein wenig Sorgen um seinen Gesundheitszustand machte. Diese stellten sich jedoch als unbegründet heraus: nach einer Eingewöhnungsphase von 8 Tagen begann er zu essen und auch das Weinen wurde weniger. Seit dem isst er gut und auch die Impfungen nahm er tapfer entgegen. Im Mai möchten wir nun anfangen Max zu trainieren und ihn an der Leine zu führen. Trainierte Hunde sind in Bolivien eine Rarität, obwohl die meisten Familien einen oder sogar mehrere Hunde besitzen. Diese werden jedoch eher als Bewacher des Hauses angesehen und essen das was vom Essen übrigbleibt. Auch mit dem Hund Gassi zu gehen ist unüblich, wenn der Hund Bewegung braucht wird er auf die Straße gelassen: wenn er Hunger hat wird er wieder zurückkommen. Ein weiteres Highlight dieses Monats war ein gemeinsamer Ausflug mit den Jungs zu in der nähe liegenden Wasserfällen. An einem Samstag brachen wir um acht Uhr morgens mit dem kompletten Team und den Jugendlichen (in einem Auto !!!!) auf. Nachdem wir uns gefühlt fünfmal verfahren hatten kamen wir letztendlich an und starteten direkt mit dem Aufstieg, da der Wasserfall auf einem Berg gelegen war. Ich war ziemlich erstaunt mit wie viel Spaß und Energie die Jugendlichen den Weg bestritten, da es sonst eher an Motivation mangelt. Am Wasserfall angekommen badeten wir uns in dem eiskalten Wasser und aßen zusammen Mittag. Zufrieden und erschöpft kehrten wir nach Sonnenuntergang ins Projekt zurück. Für mich wird dieser Ausflug immer positiv in Erinnerung bleiben, da ich einen Zusammenhalt und Gemeinschaftsgefühlt gespürt habe, dass ich in der Form davor nicht erlebt oder wahrgenommen habe. Auch verabschiedeten wir im April den Jugendlichen Marcial, der mit 18 Jahren der älteste im Projekt war. Ich freute mich besonders für ihn, weil ich persönlich viel Zeit mit ihm verbracht und viel mit ihm geredet habe. Marcial ist durch seinen starken Drogenkonsum im Kinderalter im Alltag eingeschränkt. Er kann nicht lesen und schreiben und auch mit einfacheren Aufgaben wie den Zahlen und Wochentagen tut er sich schwer. Aus diesem Grund versuchte ich ihm die Basics im Einzelunterricht beizubringen. Bei dieser Gelegenheit redeten wir viel und er erzähltemir auch von seiner schweren Geschichte, die mich zum Nachdenken anregte.Marcials Vater war Alkoholiker und schlug ihn mit der Hand aber auch mit Gegenständen brutal zusammen, Marcial trägt heute noch mehrere Narbenaus diesem Grund. So haute er mit 7 (!!!) Jahren von zu Hause ab und begann sein Leben auf der Straße. Hier fängt er an zu Rauchen und greift zu Alkohol. Als er die falschen Leute kennenlernt kommen härtere Drogen wie Kokain und Kleber hinzu. Mit 15 Jahren wird Marcial mehr tot als lebendig in C.E.T.WA aufgenommen und macht einen kalten Entzug durch. Diese Geschichte finde ich sehr schockierend, weil diese Junge nie wieder ein „normales“ Leben führen kann und wird nur aufgrund seines exzessiven Konsums. Hier sehe ich die Hauptschuld bei seinenEltern, da ein 7-Jähriger auf der Straße nichts verloren hat. Der Drogenkonsum ist natürlich nicht zu entschuldigen, aber man kann sich nicht vorstellen wie sich ein Junge, der noch nie in seinem Leben Liebe erfahren hat, fühlen muss. Außerdem versteht man die Gefahr und die Nachwirkungen von Alkohol oder anderen Drogen in so einem Alter nicht, es lässt den Schmerz verschwinden und darauf kommt es an.Mit solchen Geschichten im Hinterkopf bin ich immer wieder unendlich dankbar an meine Eltern und Familie,die mir eine so behütete und gute Kindheit ermöglichten. Man sieht, dass es nicht selbstverständlich ist, dass Eltern sich gut um ihr Kind kümmern und es pflegen. Aus diesem Grund und passend zum heutigen Muttertag: Danke Mama und Papa!!!