im Monat Oktober war ich neben der Arbeit in meinem Projekt viel unterwegs. Davon will ich in diesem Monatsbericht erzählen.

Anfang Oktober habe ich mit Carmen, meiner Sprachlehrerin, und den anderen Freiwilligen einen Ausflug nach Incallaqta gemacht. Hinter diesem, fast unaussprechlichem Namen, verbirgt sich eine alte Inkastadt, die im 15. Jahrhundert im Zuge der Ausdehnung des Reichs errichtet wurde. Die Inkastätte liegt an den Hängen eines Tals in etwa 3000m Höhe. Über die Berge ist die Siedlung nur schwer zu erreichen, weswegen sie früher vor allem als Festungspunkt diente.

Die meisten Bauten waren noch recht gut erhalten, sehr beeindruckt war ich von der Größe des Hauptgebäudes, das in der Breite mehr als 20m und in der Länge knapp 80m maß. Zu seiner Bauzeit war es das größte überdachte Gebäude in der westlichen Welt.

Den Tag über wurden wir von einem Touristenführer begleitet, der uns viel über die einzelnen Bauten der Stadt erzählte. Was mich daran vor allem freute, war die Tatsache, dass er ausschließlich in Spanisch referierte und ich fast alles Gesagte verstehen konnte. Die letzten Monate haben sich meine Sprachkenntnisse doch noch mehr verbessert, als ich zuerst gedacht habe.

Abends fuhren wir müde und geschafft nach Hause, ich glaube, auch die Höhe hat ihren Teil dazu beigetragen, auf 3000m ist eben alles ein bisschen anstrengender als normalerweise.

Neben diesem Tagesausflug bin ich mit Luca, meinem Mitfreiwilligen, Ende Oktober auf ein Kletterfestival in der Nähe von La Paz gefahren:

Einige Wochen zuvor waren wir abends mit Javier, einem Freund aus Cochabamba, in dem hiesigen Kneipenviertel unterwegs, als er uns von einem Boulder (Kletter-) Event erzählte, dass wohl zu einem der größten in Bolivien gehören sollte. Dazu muss man wissen, dass die Kletterszene in Bolivien und besonders in Cochabamba nicht sehr zahlreich vertreten ist, in meiner Nähe gibt es fast keine Klettermöglichkeiten. Daher waren wir natürlich sofort von der Idee begeistert, ihn auf das Event zu begleiten und zwei Wochen später standen wir mit gepackten Rucksäcken am Busterminal in Cochabamba, um unsere Reise zu beginnen.

Wir fuhren etwa 7 Stunden bis nach Patacamaya, einer kleinen Stadt zwischen La Paz und Oruro und nahmen von dort ein Trufi. Dieses brachte uns in das drei Stunden entfernte Chalpunku-Tal, welches auf einer Höhe von etwa 4000 Metern im bolivianischen Altiplano liegt.

Mitten im Nirgendwo, zwischen unzähligen Felsen aus Vulkangestein, hatten die Organisatoren ein riesiges Red Bull Zelt aufgebaut und begrüßten uns überschwänglich mit einigen Brocken Deutsch. Sofort suchten wir uns einen Platz für unser Zelt und machten uns nach einer kurzen Pause auf, um das Gebiet zu erkunden. Zwischen den unzähligen Felsen hatten die Organisatoren einige schöne Routen gefunden, geputzt, markiert und uns damit eine erste Startmöglichkeit gegeben. Bis zum Abend waren wir unterwegs, um schließlich erschöpft und glücklich zum Lager zurückzukehren.

Am Samstag machten wir uns schon früh auf den Weg, um nach dem Aufwärmen ein paar härtere Routen auszuprobieren. Am Nachmittag fand sich eine größere Gruppe an einem beeindruckenden Dach wieder und suchte gemeinsam nach einer Lösung für das Problem, welches sich genau durch die Mitte des Felsens zog, etwa im Bereich 7a/b. Ich hatte einige gute Versuche, scheiterte aber immer wieder an einem weiten Zug in das Dach hinein. Mit dem guten Gefühl, am nächsten und letzten Tag vielleicht noch Erfolg zu haben, machten wir uns in der Dämmerung zurück auf den Weg ins Lager.

Nach einem riesigen Barbecue fand schließlich das Highlight des Events statt, die Vorführung der Reel Rock 8 Filmtour, auf einer riesigen Leinwand, die an einem Felsen befestigt worden war. Und was wäre ein von Red Bull gesponsertes Event ohne anschließend stattfindende Aftershowparty J

Sonntags versuchte ich mich noch einmal an meinem Projekt, scheiterte aber leider immer wieder an einem Zug, sodass wir uns mittags mit dem sicheren Gefühl auf den Heimweg machten, irgendwann in das Tal zurückzukehren.

In meiner Freizeit mache ich im Moment recht viel Sport. Mit einem bolivianischen Freund gehe ich ins Fitnessstudio und habe mit Kickboxen angefangen. Im Moment trainiere ich 5-6 mal die Woche, immer nach der Arbeit. Das Training ist ein super Ausgleich zum Arbeitsalltag und hält mich im Moment ganz schön fit.

Im Projekt habe ich zusammen mit Walther begonnen, den Sala de Juego zu renovieren. Zuerst mussten Teile des bröckelnden Putz von den Wänden herunter, anschließend verputzten wir die betreffenden Stellen neu. Im Moment sind wir dabei, die rauen Wandteile glatt zu schleifen, so dass wir hoffentlich im Laufe der nächsten Wochen mit dem Streichen beginnen können.

Außerdem habe zum ersten Mal mit den Kindern Brot gebacken. Aus dem riesigen Berg an Zutaten einen Teig zu kneten,  und diesen dann anschließend in hunderte kleine Kugeln formen, nahm schon einige Zeit in Anspruch. Der Aufwand hat sich aber auf jeden Fall gelohnt, denn das waren die mit Abstand besten Brötchen, die ich in meinem Leben gegessen habe.

Das wars aus dem Monat Oktober,

viele Grüße aus Cochabamba

Lucas