Ruck Zuck ist schon wieder ein weiterer Monat vorbei. Jedoch unterscheidet sich der zweite Monat sehr von dem Ersten. Der erste Monat stand unter dem Motto „Ankommen“. Vieles Neues habe ich erlebt und gelernt. Ein richtiger Rhythmus war nicht vorhanden. Und genau in diesem Punkt unterscheidet sich der zweite Monate. Langweilig!!!???
Nein! Ganz im Gegenteil. Es tut extrem gut eine gewisse Routine zu haben. Nicht nur bezogen auf die Arbeit im Projekt, sondern auch auf meine Freizeitgestaltung. So hab ich zum Beispiel dreimal die Woche Volleyballtraining und Charangostunden.
 
Über drei verschiede Themen handelt dieser Bericht. Zum einen Ausflüge und Neues erleben, was wie schon gesagt nicht zum großen Thema wurde. Desweiteren werde ich etwas über das Thema „Visum“ schreiben. Das dritte und größtes Thema  bildet meine Arbeit im Projekt.
 
An einem Wochenende ging es zurück in die Vergangenheit. Wir besuchten eine historische Stätte der Inka im zentralen Bolivien. Incallajta, der Name der Stätte, ist Quechua ( Sprache der Inkas) und bedeutet einfach nur „Inka-Stadt“.  Der Siedlungskomplex wurde im 15. Jahrhundert errichtet und das Hauptgebäude (Kallenka) war bei seinem Bau angeblich das größte Gebäude unter einem Dach der westlichen Welt. Heute kann man noch sehr gut die Umrisse und einige Mauern erkennen. Trotzdessen, dass es sich eigentlich nur um Steine handelte, hatte der Ort irgendetwas fesselndes. So konnte man sich gut vorstellen wir in diesen Komplex vor so langer Zeit die Inkas gelebt haben. Außerdem war es total ruhig und friedlich, da die Stätte 130 Kilometer von Cochabamba entfernt liegt. Auch tat uns allen die frische nicht verschmutzte Luft sehr gut und wir genossen trotz des bedekten Himmels den Ausflug sehr.
 
 
Als wir mit unserem 30 Tage Visum nach Bolivien einreisten ahnten wir nicht im Geringsten was auf uns zukommen würde. Das Visaangelegenheiten stressig sind war uns allen klar. Dass es jedoch solch eine Tortur werden würde konnte keiner wissen. Das Schlimmste war nicht die Tatsache, dass wir einen riesen Berg an Dokumenten brauchten, sondern, dass selbst Beamte, die sich im selben Raum befanden unterschiedliche Dokumente verlangt haben und im Prinzip keiner einer Ahnung hatte. So kam es des Öfteren vor,  dass, nachdem man zum Beispiel sein Interpol Führungszeugnis beantragt hatte und es eine Woche später wieder abholen wollte, es noch nicht fertig war. Das lag dann daran, dass Dokumente fehlten, die ein Beamter nicht als wichtig angesehen hatte, während ein Anderer, nämlich der, der die Anträge bearbeitet, ohne diese fehlenden Dokumente den Antrag einfach zu Seite legte.  
Und so ging das dann einige Wochen bis wir jetzt endlich seit 1 Woche unseren endgültigen Antrag, bei der Migrationsstelle abgegeben haben und damit jetzt nicht mehr Illegal sind. 
 
Im Projekt arbeite ich immer noch von 8 bis um 12 in der Metallwerkstatt. Und es macht mir total viel Spaß. Vor allem weil ich merke, dass sich echt etwas tut. In den letzten Woche haben wir zum Beispiel das ganze Alteisen, das über die ganzen Jahre einfach nur in die Ecke geschmissen wurde, eingesammelt und verkauft. Die Jungs sind jetzt mit Sicherheitskleidung ausgestattet und haben ihre festen Schweißplätze, an denen sie arbeiten. Man merkt so richtig, wie nachdem die Schule wieder geöffnet wurde, sich Vieles zum Positivem geändert hat und es macht richtig Spaß genau diese Veränderung mit anzusehen und daran mitzuwirken. Was mir auch gut tut, ist die Tatsache, dass ich nicht mehr nur einfach mitmache, sondern auch mehr Verantwortung von Don Roberto übertragen bekomme und die Jungs mich immer mehr als eine Hilfsperson ansehen und mich oft um Hilfe bitten. Nachdem wir, Don Roberto und ich, die Drehmaschine, welche aus Deutschland kommt, wieder zum Laufen gebracht haben, hat er mir die komplette Verantwortung darüber gegeben. Zunächst lerne ich selbst, mit Hilfe von Don Roberto und Büchern über Drehbänke (Danke an dieser Stelle an meinen Vater), wie eine Drehbank genau funktioniert und danach soll ich den Jungs genau diese Fertigkeit beibringen.
 
Auch bei dem Zeichenunterricht, der einmal in der Woche stattfindet, kann ich sehr gut mithelfen. Ich helfe denen die Schwierigkeiten haben die Zeichnung, die Don Roberto an der Tafel angefertigt hat, nachzuzeichnen. Klar gibt es wie auch in Deutschland bessere und schlechtere Schüler, jedoch erschreckt es mich immer wieder, wenn die Jungs zum Teil nicht die einfachsten Sachen zeichnen können. Sie wissen zum Teil nicht mal, wie man zum Beispiel das Lineal richtig hinlegt, und dass die Null an den Punkt gelegt werden muss, von aus man einen bestimmten Abstand messen will. Auch Kenntnis über die Einheiten cm und mm fehlt Einigen. Natürlich gibt es auch Jungs die keinerlei Probleme haben. Trotzdem hat mich sehr erstaunt, dass eben diese für uns fundamentalen Fähigkeiten nicht vorhanden sind. Von daher ist es sehr schön, wenn ich den Jungs helfen kann und es macht mich glücklich zu sehen, dass bei ihnen etwas hängen bleibt.
 
Soweit für den September.
 
Mit freundlich Grüßen
 
Luca Sattler