Hola,

beginnen werde ich diesen Monatsbericht mit zwei schönen Erlebnissen, die ich mit meinen Jungs im letzten Monat gemacht habe, anschließend berichte ich von meiner Fahrt auf der Straße des Todes.

Mitte des Monats haben wir mit den Jungs den Militärflughafen von Cochabamba besucht. Morgens um halb 10 machten wir uns auf den Weg, um bei strahlend blauem Himmel das Gelände zu besichtigen. Eine Frau führte uns durch zwei große Lagerhallen und zeigte uns verschiedene Personen- und Transportmaschinen. Für unsere Jungs war das Ganze ein tolles Erlebnis, vor allem, als sie am Ende selbst in ein Flugzeug steigen durften und auf den Sitzen platznehmen konnten. Viele von Ihnen hatten bis dahin noch nie das Innere eines Flughafens gesehen, geschweige denn eines Flugzeugs

Nebenbei wurden wir auch noch Zeuge, wie ein edel aussehender Privatjet nur etwa 100 m von uns entfernt zum Stehen kam. Ich dachte noch, so eine teure Maschine kann doch nur dem Präsidenten gehören und schon entstieg Evo Morales höchstpersönlich dem Flugzeug. Zusammen mit seiner Frau überquerte er das Flugfeld, winkte uns kurz zu und flog dann in einem Helikopter weiter.

Nach etwa 2 Stunden war die Führung vorbei und pünktlich zum Mittagessen waren wir wieder im Projekt.

Das andere Ereignis, von dem ich gerne berichten möchte, ist das große Fußballturnier, welches eine Woche zuvor stattfand. Tiquipaya besitzt zwei Straßen vom Projekt entfernt einen großen Bolzplatz. Dort lud das Projekt zu einem Fußballturnier ein, neben drei Teams aus Tiquipaya, den älteren Jungs, den Jüngeren und den Betreuern traten Ehemalige an und ein Team von der Straße. Nach spannenden Ausscheidungsspielen standen schließlich das Team der Ehemaligen und das Team der Straßenjungs im Finale. Nachdem die Jungs von der Straße einen 2:0 Rückstand aufholen konnten, gingen sie nach einem spannenden Elfmeterschießen siegreich vom Platz. Besser hätte das Turnier nicht laufen können, alle waren glücklich und zufrieden und abends fiel ich todmüde ins Bett.

Am Ende des Monats haben Luca, Katha und Ich eine Reise nach La Paz unternommen, um auf der Death Road unser Glück zu versuchen.

Diese berühmt berüchtigte Straße beginnt auf einem Pass auf etwa 4700 Meter, erstreckt sich über mehr als 70 km und endet schließlich auf einer Höhe von 1200m. Die Straße ist zu Beginn asphaltiert und breit genug für zwei Fahrbahnen, nach einigen Kilometern macht der Belag jedoch Platz für rutschigen Schotter und sicher überholen kann man auch nicht mehr. Früher diente die Todesstraße, auch Calle Yungas genannt, als Transportweg von La Paz nach Coroico. Auf der schmalen Straße passierten unzählige Unfälle, gerade bei Überholversuchen auf den schmaleren Teilstücken. Um das Risiko zu verringern, führte man auf dem gesamten Weg Linksverkehr ein, sodass die bergauffahrenden LKWs hangseitig fahren konnten.

Seit einigen Jahren ist die Straße für den Schwerlastverkehr gesperrt, sodass sich die Zahl der Unfälle stark verringert hat. Mittlerweile hat die Calle de Muerte jedoch eine neue Bestimmung gefunden und dient unzähligen unerschrocken Gringos als Abenteuerziel.

Zusammen mit Luca, Katharina, zwei anderen deutschen Freiwilligen aus Sucre und einem befreundeten Italiener machten wir uns freitagmorgens auf die Reise nach La Paz. In einem Hostel namens „Loki“ fanden wir günstig Unterkunft und machten uns bei trübem Wetter sofort auf, im Stadtzentrum zu unserem Reiseveranstalter zu finden und etwas Essbares aufzutreiben.

Der nächste Morgen brachte dann ein frühes Erwachen, aber keine Gnade, um halb 8 standen wir fix und fertig vor dem Hostel, bereit die Deathroad auf zwei Rädern zu meistern.

Unsere Ädventscher-Agentur verfrachtete uns dann inklusive Mietfahrräder in einen Minibus, und fuhr bis zum Cumbre Pass auf knapp 4700m Höhe. Begleitet von 4 erfahrenen Mountainbikern machte sich unsere Gruppe auf den Weg.

Das erste Stück begann zum Glück  auf einer breiten, asphaltierten Straße.  Meine letzte Fahrradtour lag nun doch schon etwas länger zurück und wach war ich auch noch nicht ganz, sodass ich wirklich froh über den entspannten Einstieg war. Nach etwa einer Stunde hatte der Fahrtwind dann aber die restliche Müdigkeit aus mir herausgepustet und ich fühlte mich sicher auf meinem Zweirad.

Von der Asphaltstraße bogen wir rechts auf einen schmalen Geröllweg ab, den eigentlich Beginn der Calle Yungas. Sehr beeindruckend war der Vegetationswechsel, der sich auf den letzten Kilometern vollzogen hatte. Die karge, schneebedeckte Landschaft hatte sich in einen dunkelgrünen Nebelwald verwandelt.

In einer Reihe fuhren wir los, etwa einen halben Meter von 300m Steilwand entfernt, denn – auf der Todesstraße herrscht ja bekanntlich Linksverkehr und daran hätten wir uns nun einmal auch zu richten. Das Argument, dadurch würde die Gefahr von Unfällen mit entgegenkommenden Autos verringert, fand ich durchaus nachvollziehbar, trotzdem wiedersprach es meinem gesunden Menschenverstand, so weit weg wie möglich von der sicheren Hangseite zu fahren.

Mit ein bisschen Konzentration und Ruhe stellte sich das Ganze aber als gar kein so großes Problem heraus und nach einigen Kilometern Fahrt verbreiterte sich die Straße merklich.

Mit jedem Kilometer wurde es wärmer, das Wetter besser und die Landschaft grüner. Nach viereinhalb Stunden Fahrt erreichten wir schließlich glücklich und erschöpft das Ziel, ein kleines Restaurant am Ende der Straße. Nach einem ausgiebigen Mittagessen und einer kurzen Siesta am Pool machten wir uns auf den Rückweg nach La Paz.

Ich hatte echt ein super Wochenende, und das nicht nur wegen dieser beeindruckenden Fahrradtour sondern auch und vor allem wegen der Leute, die mit mir gekommen sind. Ich meine, wohin mit all den tollen Erlebnissen, wenn man sie mit niemandem teilen kann, den man mag.

Das wars aus dem November,

viele Grüße aus Cochabamba :-)