Hola,

der Monat Januar war geprägt von meiner zweiwöchigen Reise durch Bolivien und Peru und dem anschließend in Cochabamba stattfindenden Zwischenseminar.

Am Abend vor Silvester machte ich mich mit meinen Mitfreiwilligen auf den Weg nach Sucre, wo wir mit befreundeten Voluntarios in das neue Jahr feierten. Sucre ist eine wunderschöne Stadt, die gut erhaltenen, weißen Kolonialbauten in der Innenstadt sind sehr beeindruckend.

Von Sucre aus fuhren wir weiter nach Potosí, wo wir an einer Führung durch eine Mine des Cerro Rico teilnahmen. Die Tour war sehr interessant, allerdings auch erschreckend, da wir mit der Realität des Arbeitsalltags konfrontiert wurden. Noch heute arbeiten dort Kinder, wir begegneten zwei 15 jährigen Jungs die seit früh morgens am Arbeiten waren. Auch die Geschichte Potosís ist sehr interessant, da die Stadt im 17. Jahrhundert auf Grund ihres Silberreichtums zu einer der größten Städte der Welt anwuchs. In der gesamten Geschichte der Stadt und des Cerro Rico („der reiche Berg“) verloren mehr als 1 Millionen Menschen ihr Leben im Berg.

Unsere nächste Station der Reise war La Paz und die Isla del Sol am Lago Titicaca. Auf der Isla del Sol beeindruckte mich vor allem die wunderschöne Natur. Früh morgens schon brachen wir zu unserem Inselrundgang auf und gelangten über den kargen Inselrücken zu einer versteckten Bucht auf der anderen Seite der Isla. Dort konnten wir sehr gut erhaltene Inkaruinen besichtigen. Auf dem Rückweg zu unserem Hostel kamen wir an kleineren Häusergruppen vorbei, die inmitten grüner Felder lagen. Die karge Umgebung zu Beginn war verschwunden und hatte fruchtbarer Landwirtschaft Platz gemacht.

Von der Copacabana reisten wir ins nahegelegen Puno, das in Peru liegt, und besichtigten die schwimmenden Schilfinseln der Uros. Von dort aus führte uns der Weg weiter nach Cusco, die alte Hauptstadt des Inkareichs und Macchu Pichu.

In zwei Wochen hatten wir so viele Kilometer Strecke zurückgelegt und einige der interessantesten und schönsten Orte Perus und Boliviens bestaunen können. Pünktlich zu dem Beginn unseres Zwischenseminars waren wir wieder in Cochabamba.

Aus Deutschland waren Wolfgang und Manuel angereist, unsere Verantwortlichen aus dem Bistum Mainz, um das achttägige Seminar mit uns zu gestalten. Die Woche ging schnell rum, was wohl vor allem daran lag, das wir als Gruppe sehr viel Spaß hatten. Ich habe mich sehr darüber gefreut, dass die Beiden extra für das Seminar aus Übersee zu uns gekommen sind. Zum einen haben mich die inhaltlichen Schwerpunkte überzeugt und weitergebracht, zum anderen fand ich es schön, dass wir in derselben Gruppe wie schon in den vorherigen Seminaren zusammentrafen.

Mit dem Ende des Seminars und dem Beginn meiner Arbeit im Projekt änderten sich zwei wesentliche Punkte. Zum einen wechselte ich meinen Wohnort und schlafe mittlerweile nicht mehr im Projekt sondern wohne bei einer sehr freundlichen Gastfamilie in der Nähe des Christos. Ich bin jetzt das sechste Kind in der Familie, neben Maria, Lucitas, Leonardo und Andrea wohnt dort auch Johanna, eine weitere Freiwillige. Die beiden Gasteltern, Richard und Vivi haben mich herzlich aufgenommen.

Zum anderen gab es zum neuen Jahr einen Mitarbeiterwechsel, die vorherige Direktorin Isela hat im Projekt aufgehört, unser neuer Chef heißt Enrique.

Die letzte Januarwoche im Projekt verlief ruhig, für die Jungs waren es die letzten Ferienwochen, bevor die Schule wieder losgeht. Ich verbrachte meine Freizeit mit der Vorbereitung für meinen ersten Kickboxkampf. Ich bin gespannt, was dieser für ein sportliches Ergebnis bringen wird.

Viele Grüße aus Cochbamba

Lucas