Hola,

zu Beginn des  Monats begann für die Jungs die Abendschule, was sowohl ihren als auch meinen Tagesablauf im Projekt änderte. Die Schule beginnt um 18.30 und endet um 21.30 Uhr, vorher essen alle noch zu Abend, nach Schulschluss gibt es im Projekt noch ein kleines Refrigerio, beispielsweise Tee und Brot, damit niemand mit leerem Magen ins Bett gehen muss.

Der Wochenplan von Luca und mir ist mittlerweile etwas vielseitiger als vorher. Dienstags und freitags helfen wir Walter bei der Straßenarbeit, mittwochvormittgas fahren wir mit Angela zum Einkaufen in die Stadt. Auf dem mercado campesino, der hinter der Laguna Alalay liegt ist dann Markttag und Obst und Gemüse werden von vielen verschiedenen Ständen günstiger als im Zentrum angeboten.

An den anderen Tagen sind wir vormittags im Projekt und unterstützen die Educatoren bei den morgendlichen Aktivitäten, nachmittags steht Hausaufgabenhilfe auf dem Plan. Die Jungs werden dafür in eine ältere und eine jüngere Gruppe unterteilt und  von den Educatoren Rurik und Gerardo beaufsichtigt. Luca und Ich kümmern uns oft um einzelne Kinder, die Probleme mit ihrer Konzentration haben. Viele der der Jüngeren haben große Defizite in der Rechtschreibung, dem Leseverständnis und der Mathematik. Gerade wenn es um die Grundrechenarten geht, fehlt vielen ein grundsätzliches Verständnis, das meiste wird nur von ungefragt von der Tafel abgeschrieben. Hier besteht noch viel Nachholbedarf und ich denke, dass die Schülerhilfe unser Arbeitsbereich mit dem meisten Potenzial ist. Dabei stellt er allerdings auch die größte Herausforderung dar, was beispielsweise die Motivation der Kinder betrifft und das verständliche Erklären von Sachverhalten im Spanischen.

Nach der Apoyo Escolar gehen wir mit den Jungs meist noch für eine Stunde in den Sala de Juegos und spielen Tischkicker oder Tischtennis mit ihnen. Ende des Monats haben wir auch eine kleine Bestandsaufnahme der vorhandenen Spiele durchgeführt. Diese gestaltete sich als etwas aufwändiger als zunächst erwartet, weil viele Spiele unvollständig oder beschädigt waren, dafür haben wir jetzt einen guten Überblick, was kommende Anschaffungen angeht.

Die mit Abstand beliebteste Freizeitbeschäftigung der Jungs ist Fußballspielen. Ob auf dem Rasen, dem Hart- oder Bolzplatz, Kicken geht eigentlich immer. Um ein bisschen Abwechslung in die Freizeitbeschäftigung zu bringen, hatten wir uns eine Frisbee-Scheibe von zu Hause schicken lassen. Zuerst warfen wir uns die Frisbee im Projekt zu, kurz darauf wollten die Jungs damit auf den großen Rasenplatz. Mit so viel Begeisterung für ein neues Spiel hatten wir nicht gerechnet. Ich war vor allem davon beeindruckt, nach welcher kurzen Zeit alle die Regeln verstanden hatten und im Spiel dann auch so umsetzten. Beim Fußballspielen auf dem großen Platz fällt immer wieder auf, dass die Jungs zwar ein sehr gutes Ballgefühl haben, allerdings wenig Spielübersicht. Da man sich beim Frisbee-Spiel mit der Scheibe in der Hand nicht bewegen kann, müssen sich die anderen Spieler aktiv freilaufen, egoistische Einzelaktionen können gar nicht erst entstehen und die Spielübersicht wird verbessert.

 

Ein großes Ereignis im Februar war der Karneval, welcher in der letzten Februarwoche stattfand. Freitags machten wir mit allen ein Barbecue im Projekt, anschließend gab es eine große Wasserschlacht. Es ist immer sehr schön, wenn zu solchen Ereignissen auch ehemalige Kinder des Projekts kommen und mithelfen. In den letzten Wochen fingen wir auch an, für die Tarqueada unseres Projekts zu üben. Als Gruppe nehmen wir am großen Karnevalsumzug Cochabambas teil und spielen Tarka (traditionelle Holzflöte). Insgesamt werden sechs verschiedene Lieder gespielt, bis jetzt beherrsche ich zwei Stück.

Den Kickboxkampf Anfang Februar habe ich leider verloren, meine Motivation weiter zu trainieren habe ich mir dadurch aber nicht genommen. Bald stehen die Prüfungen für die ersten Grade an, vielleicht nehme ich dort teil.

Viele Grüße aus Cochabamba

Lucas