Die Comunidad Educativa Tiquipaya Wasi

Die Direktorin Maria Leon mit der Sozialarbeiterin Sra. Oporto und drei Jugendlichen.

Wir möchten dabei helfen, dass Kinder in Cochabamba (Bolivien), die Zuhause Gewalt erfahren und auf die Straße flüchten, ein menschenwürdiges Leben leben und sich individuell entfalten können!

So lässt sich die Motivation für das Projekt Tiquipaya Wasi einfach und treffend beschreiben. Dabei ist es nicht nur wichtig den Kindern vorübergehend ein Zuhause zu bieten. Auch die schulische und berufliche Ausbildung bilden eine elementare Voraussetzung für die erfolgreiche Integration in die bolivianische Gesellschaft. Darüber hinaus wird in einer Familientherapie mit den Angehörigen zusammengearbeitet. Eine Reintegration mit gewaltfreier Erziehung wird so nachhaltig ermöglicht. Der Verein Comunidad Educativa Tiquipaya Wasi (CETWA) versucht die Problematik also ganzheitlich zu erfassen, möglichst frühzeitig anzusetzen und nachhaltige Veränderungen in der Gesellschaft zu erwirken.

Die Sozialarbeiter*innen stehen in engem Kontakt mit den Jugendämtern und kennen sich als Streetworker gut in der Szene der Straßenkinder und Obdachlosen aus. Entflieht ein Kind der familiären Gewalt kann so eine frühzeitige Aufnahme in das Heim von Tiquipaya Wasi gewährleistet werden. Es wird also versucht, die Kinder nicht in den Sog von Gewalt und Drogen auf der Straße geraten zu lassen, sondern möglichst schnell zu reagieren. Zunächst einmal ist es wichtig, eine Vertrauensbasis mit dem Kind aufzubauen und ihm zu zeigen, dass es im Heim eine sichere Umgebung hat. Dabei ist es zentral zu verstehen, in welcher verletzbaren Situation sich die Kinder vor allem psychologisch befinden. Es finden viele persönliche Gespräche mit dem Psychologen statt. Über gemeinsame Aktivitäten, Sport und Spiele wächst das Vertrauen zwischen den Erzieher*innen und den Jugendlichen. Darüber hinaus ist CETWA Mitglied in mehreren Netzwerken im sozialen Bereich und dadurch nicht nur sehr gut vernetzt, sondern auch in Cochabamba ein geschätzter Ansprechpartner.

Das therapeutische Heim von Tiquipaya Wasi bietet bis zu 30 Jugendlichen ein Zuhause. Aufgrund der Infrastruktur des Heims können nur Jungs aufgenommen werden, wenn gleich eine Erweiterung für Mädchen als Vision für die Zukunft verankert ist. Das Projekt arbeitet aber intensiv mit anderen Kinderheimen für Mädchen zusammen. Neuankömmlinge werden in die vorhandenen Strukturen eingegliedert und psychologisch sowie schulisch unterstützt. Sobald die Kinder und Jugendlichen für einen Schulbesuch vorbereitet sind, besuchen sie eine normale Grundschule oder weiterführende Schule. Daneben müssen sie kleinere Arbeiten im Kinderheim verrichten: in der Küche helfen, die Toiletten putzen, Wäsche waschen oder die Wege fegen. Auch erste Einblicke in das Berufsleben werden in Form von Praktika bei kooperierenden Betrieben ermöglicht. In der technischen Schule können einige Jugendliche sich auch in einem Bäckereiprojekt weiterbilden, lernen nützliche Fähigkeiten im Handwerk bei verschiedenen Workshops und arbeiten gemeinsam an einem Recycling-Projekt, bei dem auch das ein oder andere Produkt verkauft werden kann.

Parallel versuchen die Betreuer den Kontakt zur Familie herzustellen. Die meisten Jugendlichen, die auf der Straße landen, sind keine Vollwaisen und oft gibt es andere familiäre Angehörige, wie Großeltern, Tanten oder Onkel. Das Leben auf der Straße erschien ihnen auf den ersten Blick besser, als das Leben bei ihren Familien. Das liegt oftmals an einer Erziehung, die teilweise auf Grund der Armut, der Überforderung oder der eigenen Erfahrungen mit unterschiedlichen Formen von Gewalt (psychologisch, physisch) verbunden ist. An diesem Punkt setzt die Familientherapie von CETWA an. Hier arbeitet ein*e Psychologe*in mit den familiären Angehörigen und den Jugendlichen, um nachhaltig eine gewaltfreie Erziehung zu ermöglichen und eine Reintegration in die Familie zu gewährleisten. Zwar bleibt das Heim jederzeit eine Anlaufstelle für die Jugendlichen, eine Struktur wie die eigene Familie kann es aber nicht ersetzen, weshalb dieser Schritt sehr wichtig ist. Die Arbeit mit den Familien soll darüber hinaus auch den Effekt haben, dass sowohl die Kinder als auch die Eltern eine gesunde Erziehung und Beziehung kennenlernen. Oftmals sind mehrere Geschwister von dieser Gewalt betroffen und landen so auf der Straße. Dies kann so hier und auch für die zukünftigen Generationen verhindert werden. Nach erfolgreicher Reintegration werden die Jugendlichen mit ihren Familien weiterhin begleitet. Traurigerweise können in manchen Fällen die Familien nicht wieder vereint werden. Zusammen mit anderen Organisationen in Cochabamba wird dann versucht eine Eigenständigkeit der Jugendlichen in Form von Ausbildung/Arbeit, Wohnung und Betreuung zu ermöglichen.

Der bolivianische Verein CETWA arbeitet komplett ehrenamtlich in Form eines Vorstandes, gewählt an einer Jahreshauptversammlung, bestehend aus verschiedenen Mitgliedern der bolivianischen Gesellschaft. Die Entscheidungsberechtigung über Ausrichtung und Ausführung des Projekts liegt somit ausschließlich auf bolivianischer Seite. Dies soll als eine Form des Empowerments zu weniger Bevormundung und nachhaltigerer, gerechterer Entwicklung beitragen. Außerdem besitzen die verantwortlichen Personen von CETWA größere Kompetenzen zur Beurteilung der Problematik in Bolivien und dessen Lösungen.

Teamsitzung rund im die Direktorin Maria Leon

Vorstellung der Produkte aus dem Recycling-Projekt

Blick auf den Speisesaal mit dem Wasserturm im Hintergrund, der auch von anderen Bewohnern im Viertel benutzt werden kann.

Der Vorsitzende von CETWA Franz Torrico begrüßt unseren 2. Vorsitzenden Lucas Stein bei einer Vorstandssitzung in Bolivien.

Musik ist ein Bestandteil der Therapie, genauso wie...

...Ausflüge in die Umgebung Cochabambas.

Ein paar Handgriffe, um eine Tür zu reparieren, können viel Freude bereiten.